KOHLHAAS

Rottstr 5 Theater in Bochum | KOHLHAAS  

 von Heinrich von Kleist

Mit Marco Massafra

Regie Therese Dörr

Regieassistenz Nola Friedrich

Fotos Thorsten Schnorrbusch

Martin Luther: Schau her, was du forderst, ist gerecht - doch hättest du nicht besser getan, die Rappen, dürre und abgehärmt wie sie waren, bei der Hand genommen und zur Dickfütterung in deinen Stall heimgeritten?
Kohlhaas: Kann sein. Kann sein, auch nicht.

 

Mit der Pfändung zweier Pferde des Händlers Michael Kohlhaas beginnt eine der größten Kettenreaktionen der Literaturgeschichte, die buchstäblich mit Totschlag, Brand, Mord und schließlich Schafott endet. Was geschieht, wenn die Obrigkeit Unrechtes tut? Wenn der Staat nicht um gerechte Schlichtung bemüht ist? Und was geschieht der Gerechtigkeit, wenn man durch den eigenen Rachefeldzug nun selbst Unschuldige zu Schaden kommen lässt?
Solo-Darsteller Marco Massafra erzählt die Geschichte des betrogenen Rächers aus einer bemerkenswert heutigen Perspektive. Kohlhaas ist die erste Regie von Therese Dörr fürs Rottstr 5 Theater.

 


PRESSESTIMMEN

Massafra hält diesen Schwebezustand beständig aufrecht. Mal denkt man, er rekapituliere die bekannte Kleist-Geschichte bloß, dann wieder erweckt er noch die kleinste Nebenfigur so plastisch zum Leben, dass man niemals zweifeln würde, dass all das, was da an Schrecken ausgebreitet wird, wahr und wahrhaftig wäre. Die Vorstellung läuft 90 Minuten und schwächelt nicht eine Sekunde. Das von Therese Dörr und Marco Massafra beschworene Kleist/Kohlhaas’sche Gefühl unabänderlicher Welt-Verlorenheit klingt auf dem Heimweg lang nach. (WAZ)

In Therese Dörrs für das Theater in den Glückaufbahn-Bögen ungewöhnlich übersichtlicher Ausstattung gibt Marco Massafra keine historische Person, sondern ist, als Erzähler, als Kohlhaas oder in zahllosen anderen Rollen, ein höchst inkonsequenter Mensch unserer Zeit. Der auf Öko macht, gesunde grüne Smoothies mit dem Strohhalm nuckelt, die kleinen Einwegflaschen aber im blauen Müllsack entsorgt und sich das Waldesrauschen wie die Gesänge der Wale aus dem Internet lädt. Massafra erzählt prononciert, ist um ständige Positionswechsel bemüht. Wenn er den Ritter Wenzel von Tronka verkörpert, reicht ein Taschentuch, mit dem er sich vornehm die Mundwinkel tupft, um das Blaublut als dekadenten Snob zu charakterisieren. Wenn er den sendungsbewussten Kohlhaas gibt, ist der Hocker auf die höchste Position gestellt. Ein Knopfdruck auf die Hydraulik des Requisits reicht, um aus dem Herrn den Knecht Herse zu machen: Mit solch' intelligentem minimalistischen Theater empfiehlt sich die Schauspielerin Dörr für weitere Regieaufgaben. (Herner Sonntagsnachrichten)