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Geschichte ist ein Albtraum, dem man entfliehen muss. (James Joyce, ULYSSES)
Gebrochen kommen die drei Sagenfiguren Brünhild, Hagen und Volker an in einer unscharfen Gegenwart. Über ein Jahrtausend ist vergangen, doch die damaligen Erlebnisse der Nibelungen – die vielen Toten, der rote Saft, der von den Schilden tropfe – bleiben für sie wirklicher als jeder Atemzug, den sie in ihrer improvisierten Bleibe tun. Brünhild, einstige Königin mit der Kraft von zwölf Männern. Einst musste sie sich sorgen jedes Glas sofort zu zerbrechen / das ich zu kräftig anpacke / jede Hand, die ich zum Gruße drücke / schlichtweg zu zerquetschen, doch weg ist nun die Götterstärkte. Es bleibt nur der Hass auf Siegfried, ihren Verräter. Hagen, der finstere Recke, längst der Dienste am König entbunden, längst frei der Ritterpflicht, versucht sich weiter als Pläneschmied. Für einen mysteriösen Geschäftsmann will er den Nibelungenhort aus der Donau heben, doch wird er zunehmend von Visionen des von ihm getöteten Rivalen Siegfried heimgesucht. Sind es wirklich Visionen? Volker, der Spielmann, auf der Fidel genau so brillant / wie mit dem Schwert, der froh ist, dass das Schlachten ein Ende hat, seine Musik aber überdauert. Seine Heimat ist Alzey: Ein Ort der Wissens, der Heilung. Des Friedens. Führt für ihn ein Weg dorthin zurück?
Mit seinem ersten Theaterstück, dem finalen Teil der NIBELUNGEN-Reihe des Rottstr5 Theaters, zeichnet der Bochumer Autor Werner Streletz ein zutiefst menschliches Porträt dreier Sagengestalten, denen die Zeit des Heldentums abhanden gekommen ist.
Gemeuchelt wir immer / Gewalt zeugt Gewalt / Terror zeugt Terror / Blut säuft Blut / Eine nach unten hin offene / unheilvolle Spirale
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Regisseur Hans Dreher konturiert das Unglück noch radikaler heraus. Mit jedem Szenenwechsel verfinstert sich der Raum und Donnergrollen ertönt. Woher das Unheil rührt, lässt das Stück von Werner Streletz offen: Vom schwerkriminellen Investor? Eine Vergeltungsaktion wie aus einem Krimi? Oder von Siegfried, der Hagen vermeintlich mehrfach begegnet als Sparkassenkunde, als Securityman im Einkaufsmarkt oder als Mitfahrgast im Auto? Die Rache eines Untoten wie in einem Horrorfilm? Über das elegante Spiel mit den Genres vermitteln Stück und Inszenierung ein pessimistisches Geschichtsbild: Geschichte als nie endendes Schlachhaus. Viel scheint sich also nicht geändert zu haben – seit den Nibelungen. (WDR 3 Mosaik)
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Regisseur Hans Dreher hat dieses bei aller hintergründigen bis platten Komik textlastige Lesedrama für die Bühne gerettet, indem er aus der recht starr-konstruierten Abfolge von Monologen und Dialogen ein abwechslungsreiches „Psychodrama mit Musik“ formt und für pausenlose Action bis unters Dach des Eisenbahngewölbes sorgt. Immer passiert etwas im kleinen Bühnenraum unweit des Bermuda-Dreiecks, aus monologischen werden dialogische, aus dialogischen werden Ensemble-Szenen. Mit Slapstick, Pantomime und geradezu halsbrecherischer Artistik. Dazu allerhand Live-Musik von den Rolling Stones (auch auf Deutsch in der Fassung Karel Gotts) bis hin zu Dire Straits. (Herner Sonntagsnachrichten)
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